Zum Arbeiten nach Mexiko? Interview

Zum Arbeiten nach Mexiko?

Immer mehr Deutsche kommen nach Mexiko, um für befristete Zeit hier zu arbeiten. Aber wer für drei Jahre eine Führungsposition übernimmt, mexikanische Arbeitskräfte ausbilden soll oder vielleicht sogar ein eigenes Unternehmen gründen will, kann sich nicht die Zeit nehmen, das Land langsam kennenzulernen, sondern möchte schon am ersten Tag eine Vorstellung haben, wie die Mexikaner ticken. Mexiko Verstehen Interkulturelles trainingDas Im folgenden Interview erklärt Expertmex-Gründer Francisco Jaimes, was man als Deutscher wissen sollte und was man bei ihm lernen kann.

Sr. Jaimes, wie lange leben Sie schon in Deutschland?

Ich lebe seit zehn Jahren in Deutschland, aber ich kenne des Land schon seit zwanzig Jahren und seit damals lerne ich auch die Sprache.

Können Sie sich an ein Erlebnis erinnern, bei dem Sie spontan gesagt haben, „Hoppla, die Deutschen sind aber ganz anders als die Mexikaner?“

Da hatte ich eine Menge. Zum Beispiel hat einmal bei einer Geburtstagsfeier die Polizei an der Tür geklingelt und gesagt, wir sollen die Musik leiser machen. Wobei wir gar nicht so laut waren: Mein neugeborener Sohn hat im Nebenzimmer gelegen und fest geschlafen. Das hätte ich in Mexiko nie erlebt.
…Wenn man in Mexiko in ein Restaurant kommt, dann ist es da laut, es wird geredet und gelacht, und wenn die Stimmung steigt, werden die Gespräche immer lauter. Das stört keinen. Aber in Deutschland bleiben die Gespräche immer am Tisch. Die Deutschen haben es nicht gern, wenn jemand in ihre Privatsphäre eindringt. Der Lärm von fremden Gesprächen oder Partys verletzt diese Sphäre, und deswegen beschweren sie sich oder rufen die Polizei.
…Ein anderes Beispiel ist der Körperkontakt. Bei den Mexikanern ist es normal, sich zu berühren, aber mit Deutschen geht das erst, wenn man sich besser kennt und bestimmte gesellschaftliche Rituale durchlaufen hat.

Gibt es große Unterschiede zwischen Deutschen und Mexikanern?

Der Vorteil ist, dass Deutschland und Mexiko beides westliche Länder sind. Die Unterschiede sind also nicht so groß wie zwischen Deutschland und China, das als Produktionsstandort mit Mexiko konkurriert. Trotzdem nehmen viele Menschen große Unterschiede wahr. Das sind allerdings vor allem Routinen, Verhaltensweisen und kulturelle Symbole, die sich verstehen lassen und mit denen man sich zum Beispiel in einem Kurs vertraut machen kann. Voraussetzung ist, dass man offen für den Anderen ist.

Immer mehr Deutsche kommen für befristete Zeit nach Mexiko, um in einem deutschen Unternehmen zu arbeiten. Wie unterscheiden sich Deutsche und Mexikaner am Arbeitsplatz?

Das ist eine große Frage. Genau darum geht es auch in unseren Kursen. Die Arbeitsdynamik ist eine ganz andere.
…Nehmen wir ein einfaches Beispiel. In Mexiko hat die Beziehungspflege großen Stellenwert. Ein Gespräch beginnt immer mit Smalltalk, mit der Frage Qué tal? Cómo estás? Man erkundigt sich nach der Familie, oder danach, ob sich die Kopfschmerzen, über die andere gestern während der Sitzung geklagt hat, wieder gelegt haben. Oder man unterhält sich über das letzte Fußballspiel der Lieblingsmannschaft. Der Smalltalk muss nicht länger als ein oder zwei Minuten dauern, aber er ist wichtig, ehe Sie zum Geschäftlichen kommen. Für Mexikaner ist das keine Zeitverschwendung, sondern eine Form, Ihre Sympathie und Ihren Respekt für den anderen zum Ausdruck zu bringen.
…Ein anderer Aspekt ist, dass die persönliche Kommunikation viel wichtiger ist als die schriftliche. Vor allem wenn es um wichtige Themen wie die Details eines Vertrags geht, reicht ein Brief oder eine Email nicht aus. Da ist es ratsam, sich zu treffen, oder wenn das nicht geht, zumindest zu telefonieren.
…Viele Gespräche und Verhandlungen werden in Restaurants verlegt, man trifft sich vor allem zum Frühstück. Da kommt man natürlich nicht sofort zum Thema, sondern unterhält sich zwanglos und vertieft die Bekanntschaft. Nach dem Essen, beim Kaffee, kommt man dann zum Thema, und die eigentliche Arbeit macht man dann im Büro.
…Wenn man sich mit einer Person oder Gruppe trifft, gibt man allen die Hand. Vornamen vermeidet man am Anfang, man spricht den anderen mit Señor beziehungsweise Señora an. Mexikaner verwenden auch gern Titel, zum Beispiel Ingeniero oder Licenciada. Im Laufe der Zeit geht man dann zu Vornamen über.
…Ganz unabhängig von der Arbeit finden Gespräche in freundlichem Ton statt. Mexikanern ist Harmonie sehr wichtig. Wenn jemand in einem Gespräch laut wird, dann wird das als Aggression wahrgenommen. Damit erreicht man gar nichts.
…Das sind nur ein paar Unterschiede oder Empfehlungen an Deutsche, die in der Arbeit mit Mexikanern kommunizieren wollen.

Was bietet Ihr Unternehmen Expertmex Deutschen an, die in Mexiko arbeiten wollen?

Für Unternehmen oder Arbeitnehmern, die eine Zeitlang in Mexiko arbeiten wollen, haben wir ein interkulturelles Training entwickelt. Als Anthropologen geben wir eine kleine Einführung in die Geschichte und Kultur Mexikos, damit die Teilnehmer verstehen, warum sich die Mexikaner so und nicht anders verhalten. Aber vor allem sollen die Teilnehmer lernen, Arbeit und Alltag in Mexiko erfolgreich zu meistern. Anhand von Beispielen, Videos und Rollenspielen erklären wir ihnen die Regeln des Umgangs, die Do’s and Dont’s. Außerdem geht es um ganz praktische Dinge: Wie sind die Lebenshaltungskosten in Mexiko, wie miete ich ein Haus oder eine Wohnung, wo können meine Kinder in die Schule gehen, und so weiter.
…Daneben bieten wir übrigens auch Dienstleistungen für Urlaubsreisende an. Wir sind allerdings kein Reiseveranstalter. Als Anthropologen haben wir Insidertipps für Leute, die nicht nur die klassischen Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer kennenlernen wollen. Wir haben einen Helpdesk und einen Dolmetscherdienst, an den sie sich vor und während der Reise wenden können; das ist bei einem Notfall während der Reise sehr sinnvoll.

Sr. Jaimes, ich danke Ihnen für das Interview.